Der Mensch ist der Referenzpunkt
Gesellschaftliche Systeme entstehen, weil Menschen ihr Zusammenleben organisieren müssen. Verwaltung, Bildung, Medizin, Wirtschaft, Recht und technische Systeme erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Sie besitzen Funktionen – der Mensch besitzt Würde.
Daraus leitet das ICD eine grundlegende Hypothese ab:
Ein menschenwürdiges System muss sich an den realen Menschen orientieren. Nicht der Mensch muss seine Eignung für das System beweisen, sondern das System seine Funktion für den Menschen.
Menschen unterscheiden sich. Sie verfügen über unterschiedliche Fähigkeiten, Erfahrungen, Ressourcen und Möglichkeiten. Ein funktionierendes gesellschaftliches System darf deshalb nicht von einem idealisierten Menschen ausgehen, der seine Abläufe versteht, alle erforderlichen Fähigkeiten besitzt und auftretende Barrieren selbstständig kompensieren kann. Das ICD entwickelt deshalb Lösungsansätze, die nicht auf Verhaltensidealen, sondern auf resilienten und lernfähigen Strukturen beruhen. Mensch & Würde
Würde muss nicht erworben werden
Menschenwürde entsteht nicht durch Leistung, gesellschaftlichen Nutzen oder die Fähigkeit, bestimmte Anforderungen zu erfüllen. Sie gründet im Menschsein selbst. Mensch & Würde
Genau darin unterscheidet sich der Mensch vom System. Ein System besitzt keine Würde. Seine Existenz ist an eine Funktion gebunden. Deshalb darf die Funktionsfähigkeit eines Systems nicht allein daran beurteilt werden, ob genügend Menschen mit ihm zurechtkommen.
Menschen können Barrieren überwinden, umgehen oder durch eigene Anstrengung kompensieren. Das beweist jedoch nicht, dass die Barriere nicht vorhanden ist. Es zeigt zunächst nur, dass Menschen Wege gefunden haben, mit ihr umzugehen.
Deshalb betrachtet das ICD nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg dorthin: Welche Voraussetzungen verlangt ein System vom Menschen? Sind diese Voraussetzungen für seine Funktion tatsächlich erforderlich? Und welcher Aufwand entsteht für Menschen, um das vorgesehene Ziel zu erreichen?
Systeme sind Werkzeuge
Mit „Zentrum Mensch“ stellen wir den Menschen nicht über andere Menschen. Wir machen ihn zum Referenzpunkt gesellschaftlicher Systeme.
Ein menschenwürdiges System übernimmt dabei nicht das Leben des Menschen und ersetzt nicht seine Entscheidungen. Es schafft Voraussetzungen, unter denen Menschen selbstbestimmt handeln und teilhaben können. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Unterstützung und Stellvertretung: Hilfe eröffnet Möglichkeiten; Stellvertretung kann Verantwortung übernehmen, die beim Menschen selbst liegen sollte. Demokratie & Verantwortung
Das verändert auch den Blick auf Barrierefreiheit. Sie ist dann keine besondere Hilfe für einzelne Gruppen, sondern eine Systemeigenschaft: Ein zugängliches System ermöglicht unterschiedlichen Menschen, seine vorgesehene Funktion zu nutzen.
Unsere Hypothese
Der Mensch ist der Referenzpunkt. Seine Würde ist die Grenze. Das System ist das Werkzeug.
Daraus ergibt sich eine einfache Prüfungsfrage:
Wie müsste ein System gestaltet sein, wenn nicht der ideale, sondern der reale Mensch sein Ausgangspunkt wäre?

